Türkei und Israel: Feinde oder Alliierte?

Nach der Gründung Israels im Jahr 1948 wurde die Türkei zu ihrem wichtigsten Partner im Nahen Osten. Ankara erkannte den jüdischen Staat bereits 1949 an und knüpfte damit offizielle diplomatische Beziehungen an, die die Richtung der türkischen Außenpolitik deutlich machten. Die ersten beiden israelischen Premierminister, David Ben-Gurion und Moshe Sharett, sprachen Türkisch.

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern waren in den letzten Jahrzehnten jedoch oft von Annäherungs- und Distanzierungsphasen geprägt, die sogar zu einer sehr deutlichen Welle antiisraelischer Gefühle in der türkischen Gesellschaft führten. Dies wurde besonders deutlich nach dem Flottillenangriff im Gazastreifen 2010, als ein Schiffskonvoi versuchte, die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen.

Wenn man die Geschichte der Beziehungen zwischen Israel und der Türkei betrachtet, kann man sagen, dass der erste bedeutende Schlag für sie nach 1973 eingetreten ist, als sich Ankara wegen des arabischen Ölembargos von Israel distanzierte. Die kühlen Beziehungen hielten über zwei Jahrzehnte an. In den 1980er Jahren verstärkten sich die antisemitischen Gefühle in der Türkei und tauchten auf offiziellen Parteiplattformen auf. Die ideologische Hauptursache des Antisemitismus in der Türkei war der Islamismus, der linke Antizionismus und der rechtsnationalistische Extremismus.

Danach strebte Ankara nach dem Abkommen von 1993 zwischen Tel Aviv und der PLO erneut eine Annäherung an Israel an. Beide Parteien hofften, dass die Wiederbelebung ihres Bündnisses dazu beitragen würde, das strategische Kräfteverhältnis und die geopolitische Lage im ölreichen Nahen Osten zu ändern. Darüber hinaus sah Israel darin eine Gelegenheit, die politische und wirtschaftliche Isolation zu überwinden, in der Hoffnung, dass sich auch andere muslimische Länder Tel Aviv nähern würden.

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Über Wagih Felbermayer

Chefredakteur der Presseagentur Euro Arab Press Fotoreporter Webdesigner

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