Tödliche Schüsse und Tränengas: Massenproteste im Irak

Die Proteststimmung im Libanon ist längst auf den Irak übergegriffen. Seit Monaten brodelt es zwischen Euphrat und Tigris. Korruption, Massenarbeitslosigkeit und mangelnde Zukunftsperspektiven machen vor allem der Jugend zu schaffen. Die Folge: Massenproteste.

Rückblick: Nach dem Irakkrieg und dem Sturz von Saddam Hussein war das Land damals in einen Bürgerkrieg geraten, bei dem sich die Schiiten des Südens gegen die Sunniten im Mittelirak und die Kurden im Norden feindlich gegenüberstanden. Hinzu kam der Terror des sogenannten »Islamischen Staates«.

Doch auch nach dem Bürgerkrieg und nach dem Sieg über den sogenannten »Islamischen Staat (IS/ISIS/DAESH)« sind die Probleme immer noch riesengroß. Die Kurden im Norden wollen ihre Quasi-Unabhängigkeit nicht aufgeben. Die Schiiten im Süden dominieren aufgrund ihrer großen Zahl (demographischer Faktor) die Politik im Rest des Landes. Die Sunniten werfen ihnen vor, vom Iran unterstützt zu werden.

Hauptgrund der neuen Unruhen sind die Korruption und die Massenarbeitslosigkeit. Die Öl-Industrie ist die einzige im Lande, die großzügig Geld abwirft. Doch diese ist unter ausländischer Kontrolle und bringt nur Wenigen Gewinne. Die Massen bleiben ohne lukrative Jobs und Zukunft. Das betrifft vor allem die Jugend. Die Geburtenrate ist weiterhin hoch, das Durchschnittsalter liegt bei circa 20 Jahren. Trotz der Kriege und Krisen ist die Bevölkerung des Irak von rund 18 Millionen im Jahre 1990 auf etwa 38 Millionen (2017) angestiegen.

Bei den jüngsten Massenprotesten der Jugend gegen die Arbeitslosigkeit und Korruption ist die Polizei gnadenlos mit Knüppeln und Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen. Dabei soll es viele Verletzte gegeben haben. Nun wird sogar von tödlichen Schüssen berichtet, die die Polizei auf die Demonstranten abgefeuert haben soll.

Offen bleibt die Frage: Kommt es zu einem zweiten Arabischen Frühling? Oder zu einem neuen Bürgerkrieg im Irak?

freiewelt.net

Über Wagih Felbermayer

Chefredakteur der Presseagentur Euro Arab Press Fotoreporter Webdesigner

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