Clan-Chef kehrt nach Abschiebung wieder zurück

Ibrahim Miri, der Chef des Miri-Clans in Bremen, ist nach einem SEK-Einsatz abgeschoben worden. Jetzt ist er zurück und sorgt für Diskussionen.

Update vom 2. November 2019: Es klingt wie im Film: Ibrahim Miri, der Chef des Miri-Clans in Bremen, ist nach einem SEK-Einsatz abgeschoben worden, doch plötzlich taucht er in einem Flüchtlingsheim wieder auf. Erneut wird er festgenommen, kommt in Abschiebehaft (s. Update unten) und hofft jetzt auf die ganze Milde des deutschen Rechts. Mit seinem Anwalt will er sich gegen Abschiebehaft und eine erneute Abschiebung wehren.

Innensenator Ulrich Mäurer (68) von der SPD stellt fest: „Wir wussten, dass er den Libanon verlassen hatte. Es war klar, dass er versucht, nach Bremen zurückzukommen.“ Er selbst steht nun im Fadenkreuz des Clan-Chefs. Miri verklagt ihn offenbar. So berichtet es die Bild-Zeitung in einem neuen Bericht.

Weiter heißt es dort, dass der Anwalt Miris die „gewaltsame Art und Weise“ seiner Abschiebung mit Spezialkräften für „rechtswidrig und menschenrechtswidrig“ halte. Er habe daher Klage gegen den Senator für Inneres beim Verwaltungsgericht eingereicht.

Doch das ist längst nicht alles: Des Weiteren sei nicht berücksichtigt worden, dass Miri ein Arbeitsverhältnis (angeblich in einer Firma, die Bahn-Schienen wartet) und eine Freundin habe. Die erwarte sogar ein Kind, so der Anwalt weiter.

Timmer schildert: „Herr Miri wollte mit seiner kranken und von ihm gepflegten Mutter von Bremen zur Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Sohn in ein anderes Bundesland umziehen.“

Miri soll sogar „das bisherige soziale Milieu verlassen“ haben. Er wolle nun seiner Arbeit nachgehen und für seine Frau und Kinder da sein, erklärt der Anwalt.

Und: Miri behauptet, er werde im Libanon „aus Kreisen der Hisbollah-Milizen“ mit dem Tode bedroht. Ein alter Blutrachekonflikt, heißt es offenbar.

Laut dem Clan-Experten Ralph Ghadban (70) wäre „Blutrache kein nachvollziehbarer Grund, in Deutschland Asyl zu bekommen“. 

Während viele Politiker ein härteres Vorgehen gegen Clans fordern, berichtet die Bild über Aussagen von Verwandten Miris, die gegenteiliges hoffen: „Ibrahims Anwalt hat uns gesagt, dass er sehr bald aus der Haft kommt ….“

Update 21.25 Uhr: Die Rückkehr eines führenden Clan-Mitglieds nach Bremen sorgt für Bestürzung.

Die Bremer FDP nannte es nicht nachvollziehbar, dass dem abgeschobenen Intensivtäter Ibrahim Miri die Wiedereinreise nach Deutschland gelang. „Normalerweise wird für abgeschobene Ausländer ein Einreise- und Aufenthaltsverbot für den gesamten Schengen-Raum verhängt. Offenbar scheint an den EU-Außengrenzen keine ausreichende Kontrolle stattzufinden“, sagte die FDP-Innenpolitikerin Birgit Bergmann.

„Solche Fälle schaden der Akzeptanz des Asyl- und Aufenthaltsrechts und vor allem denjenigen Migrantinnen und Migranten, die sich in großer Mehrheit in Deutschland vorbildlich verhalten.“

Das Bremer Innenressort teilte mit, dass illegale Einreise mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet wird. Der Innensenator werde beim Amtsgericht Abschiebungshaft beantragen.

Update vom 31. Oktober 2019: Die Abschiebung des mächtigen Clan-Chefs Ibrahim Miri wurde von den Behörden als großer Erfolg gefeiert. Doch nun ist Miri wieder in Bremen – offenbar ist er illegal wieder ins Land gekommen und will nun Asyl beantragen. 

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte der Bild dazu: „Es macht wütend, wie ein krimineller Clan-Chef versucht, unseren Rechtsstaat lächerlich zu machen.“ Der Bremer Justizsenator müsse Miri nun umgehend in Haft nehmen und weder abschieben, so Ziemiak weiter. 

Nach Informationen des Blattes hat ein Haftrichter noch am Mittwoch Abschiebehaft bis zum 2. Dezember 2019 verhängt.

Update vom 30. Oktober 2019: Nach seiner Abschiebung in den Libanon ist ein führendes Mitglied des libanesischen Miri-Clans zurück in Bremen. Das bestätigte das Bremer Innenressort am Mittwoch. „Es besteht ein Einreise- und Aufenthaltsverbot. Die Einreise erfolgte daher offensichtlich auf illegalem Wege, entsprechende strafrechtliche Ermittlungen wurden eingeleitet“, sagte Sprecherin Karen Stroink.

Über die Rückkehr des Mannes hatte zunächst Radio Bremen berichtet. Demnach ist das Clan-Mitglied ins kleinste Bundesland gereist, um Asyl zu beantragen. Dem Bericht zufolge sagte dessen Anwalt, sein Mandant werde im Libanon von schiitischen Milizen mit dem Tod bedroht. Zudem wolle er juristisch gegen die Abschiebung vorgehen.

Bremen – Er ist der Kopf eines mehrere tausend Mitglieder umfassenden Familien-Clans. Und nach Ansicht der Ermittler tief in den Handel von Drogen und Waffen verstrickt – rund 100 Straftaten sollen ihm angelastet werden. Nun wurde Ibrahim Miri abgeschoben. Nach Informationen der Bild in einer Nacht-und-Nebel-Aktion (Artikel hinter einer Bezahlschranke).

Die Vorbereitung der Operation, die in Polizeikreisen „Störung der Nachtruhe des Herrn Miri“ genannt wird, soll Monate in Anspruch genommen haben. Binnen weniger Stunden wurde alles durchgezogen. So sollen sich Spezialkräfte um 3.40 Uhr in die Unterkunft des 46-Jährigen im Bremer Bahnhofsviertel geschlichen haben. Die Elitepolizisten hätten sein Bett umstellt, Miri geweckt und mitgenommen.

Ein bereitstehender Hubschrauber habe ihn von der Hansestadt zum Berliner Flughafen Schönefeld gebracht, wo um 6.20 Uhr ein Learjet – die Flugstunde kostet laut Bild 50.000 Euro – mit Miri an Bord in Richtung Libanon abhob. Vier Stunden später sei der Clan-Chef in Begleitung vermummter Beamter in Beirut gelandet. Wie das Blatt weiter berichtet, sei Miri direkt auf freien Fuß gekommen, weil im Libanon nichts gegen ihn vorliege.

In Deutschland dagegen war er 2014 wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Bereits 2017 bekam Miri Freigang. Der von ihm angeführte Familien-Clan, aus dem sich mehr als tausend Mitglieder schon Ermittlungen gegenüber sahen, soll auch Prostitution und Menschenhandel betreiben. Nachdem die Miris bereits die Bremer Unterwelt beherrscht hätten, sollen sie sich auch in Nordrhein-Westfalen – genauer: Essen – und Berlin ausgebreitet haben.

Ibrahim Miri lebte in Bremen – Abschiebung durch Hilfe aus Berlin

Ibrahim Miri drohte zwar bereits seit 13 Jahren die Abschiebung. Doch er galt als staatenlos, seit er in den 80er Jahren aus dem Libanon nach Deutschland geflohen war. Die nun erfolgte Abschiebung ist offenbar auf die Arbeit von Berlins Innensenator Andreas Geisel zurückzuführen. Der SPD-Politiker wollte kürzlich während seines Beirut-Besuchs ausloten, wie einzelne Kriminelle in das Land abgeschoben werden könnten. Focus Online zufolge ist eine Ausländerbehörde im Innenressort gegründet worden, deren einziges Ziel die Abschiebung schwerkrimineller Ausländer sei. Geisel selbst sprach jüngst davon, er wolle „den Druck auf die organisierte Kriminalität hochhalten“.

Der Fall Miri zeigt, dass die Behörden entschlossener gegen Großfamilien und Clans vorgehen, es sollen mittlerweile auch Lagebilder erstellt werden. Allerdings wird sich das Vorgehen nicht immer wiederholen lassen. So besitzen laut der jüngsten Erhebung im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung 36 Prozent der kriminell gewordenen Clan-Mitglieder in der Hochburg NRW die deutsche Staatsbürgerschaft und können damit ebenso wenig abgeschoben werden wie etwa Syrer, deren Anteil in NRW-Clans 13 Prozent ausmacht.

Bremen: Miri-Clan jetzt ohne Chef? Einreisesperre von bis zu zehn Jahren

Und auch Miri, der zudem Chef des mittlerweile verbotenen Rockerklubs Mongols MC Bremen war, könnte die deutschen Behörden schnell wieder beschäftigen. Zwar darf er nicht so schnell in die Bundesrepublik zurückkehren. Christian Cardone, Rechtsanwalt für Ausländerrecht, nannte in der Bild eine Einreisesperre von bis zu fünf Jahren.

Diese könne bei Straftätern sogar auf bis zu zehn Jahre verlängert werden. Es sei jedoch möglich, eine Verkürzung zu beantragen, „wenn er Frau und Kind mit Aufenthaltserlaubnis hier hat“.

Ein Clan-Insider betonte jedoch in dem Blatt: „Wenn er will, kann er jederzeit nach Deutschland zurück. Die Kontrollen sind lasch.“ Außerdem könne Miri seine Geschäfte auch vom Libanon aus steuern. Ähnlich äußerte sich Clan-Experte Mathias Rohe von der Universität Erlangen bei Focus Online: „Die kriminellen Aktivitäten werden dadurch auch nicht sofort beendet, schließlich können die Abgeschobenen aus dem Ausland weiter Einfluss nehmen. Das grundsätzliche Problem lösen wir dadurch jedenfalls nicht.“

Bei der Innenministerkonferenz herrschte in Sachen Abschiebungen Uneinigkeit zwischen den Regierungsparteien. Wie Merkur.de* berichtet, wurde ein Polizist während einer Abschiebung auf dem Münchner Flughafen schwer verletzt.

rga.de

Über Wagih Felbermayer

Chefredakteur der Presseagentur Euro Arab Press Fotoreporter Webdesigner

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