Iran wird nichts gewinnen, wenn es das Atomabkommen verlässt

Vor Ablauf des iranischen Ultimatums sind europäische Diplomaten besorgt. Ein neuer Tankervorfall schmälert die Chancen, den Vertrag zu retten.

Die Grace 1 lag tief im Wasser, als britische Marineinfanteristen den 330 Meter langen Öltanker am Donnerstag in den Gewässern vor Gibraltar festsetzten. Das spricht dafür, dass sie voll beladen war auf ihrer Reise vom Persischen Golf einmal rund um Afrika ins Mittelmeer.

Im irakischen Basra, wo sie angeblich beladen worden sein soll, ist sie in den Hafenbüchern nicht registriert. Dafür hatte sie einige Tage den Transponder ausgeschaltet, der automatisch die Position des Schiffes überträgt, ein gängiges Manöver, um die tatsächliche Herkunft der Fracht zu verschleiern. Geistertanker werden solche Schiffe genannt.

Die Regierung von Gibraltar teilte mit, man habe Schiff und Ladung festgesetzt, weil man Grund zur Annahme habe, das Öl sei für eine Raffinerie im syrischen Banyas bestimmt, die Lieferung also ein Verstoss gegen das EU-Embargo gegen das Regime von Bashar al-Assad. Abgelegt hatte die Grace 1 tatsächlich offenbar von einem iranischen Ölterminal, der Tipp an die Briten kam von den Amerikanern.

Iran bestellte am Freitag den britischen Botschafter ein, und ein früherer Kommandeur der Revolutionsgarden, General Mohsen Resai, forderte, die Elitetruppe der Islamische Republik möge im Gegenzug ein britisches Schiff aufbringen. So wird die Sache zum Politikum und einem weiteren Hindernis beim Versuch der Europäer, das auf der Kippe stehende Atomabkommen mit Iran noch zu retten.

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Über Wagih Felbermayer

Chefredakteur der Presseagentur Euro Arab Press Fotoreporter Webdesigner

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