FPÖ-Klubobmann Kickl mit brisanten Hintergründen zum Ibiza-Video

Für die einen ist er „der beste Innenminister aller Zeiten“, andere sehen in ihm das personifizierte Scheitern von „Türkis-Blau“. Im exklusiven Interview spricht Herbert Kickl über seine Amtszeit als Minister und die Zukunft der FPÖ.

 „Wochenblick“: Herr Klubobmann Kickl, inwieweit hat sich die FPÖ aus Ihrer Sicht nach der „Ibiza-Affäre“ gefangen?


Kickl: Es ist uns sehr rasch gelungen, uns zu organisieren. Innerhalb der Partei wie auch auf parlamentarischer Ebene. Wir haben schnell die wesentlichen Führungsfragen geklärt und zu einer guten Aufgabenteilung gefunden. In den vergangenen Tagen haben wir die Weichen für einen Wahlkampf gestellt, bei dem ich guter Dinge bin, dass wir an einstige Erfolge anknüpfen können.

Die politischen Auftraggeber des „Ibiza-Videos“ sind noch unbekannt. Wer steckt dahinter?

Wenn man mit Hausverstand an die Dinge herangeht, muss man sich fragen: Wem nutzt es? Wer politisch vom Einsatz des Videos am stärksten profitiert, ist meiner Einschätzung nach wohl die ‚alte ÖVP‘ mit Zentrum in Niederösterreich. Sie hat die Chance genutzt, das Innenressort wieder in den Griff zu bekommen. Deshalb musste ich weg aus dem Ressort, aber auch kein anderer Freiheitlicher durfte statt mir Innenminister werden. Eine andere Frage ist die der Produktion. Da ist spannend, dass einer der Beteiligten – der Detektiv Julian H. sich angeblich damit brüstet, seit einigen Jahren Informant für das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) zu sein. Auf der Homepage der Detektei standen jedenfalls das Innenministerium und das Bundeskriminalamt als „Kunden“ drauf. Noch interessanter ist, dass genau dieser Mann, der ja auch im Ibiza-Video mitspielt, beim geplatzten Gerichtsprozess gegen seinen ehemaligen Partner ein seltsames Privileg genießen sollte, nämlich, dass er als Zeuge via „Skype“ aussagen darf und nicht im Verhandlungssaal anwesend sein muss. Und die ursprünglich auch gegen ihn geführten Ermittlungen in dieser Betriebsspionage-Sache sollen vom BVT im Herbst 2017 kurz nach dem Dreh des Ibiza-Videos eingestellt worden sein. Das können natürlich alle Zufälle sein…

Könnte es auch Drahtzieher in Deutschland geben?

Man hört hier einiges, es könnte auch eine Koproduktion sein. Ich habe auch schon gehört, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) involviert gewesen sein könnte. Die Überprüfung bzw. der Nachweis einzelner dieser Gerüchte ist jedoch schwer zu erbringen. Ich hätte mir als Innenminister leichter getan, den Dingen auf den Grund zu gehen. Aber interessanterweise hat man mich mit dem absurden Argument, dass ich an Aufklärung nicht interessiert sei, aus dem Innenministerium ‚hinausgeschossen‘. Doch genau das Gegenteil ist der Fall! Ich denke, dass gerade ein Freiheitlicher sehr großes Interesse entwickelt hätte, der Frage nach den Hintermännern auf den Grund zu gehen.

(…mehr)

Über Wagih Felbermayer

Chefredakteur der Presseagentur Euro Arab Press Fotoreporter Webdesigner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.