Der Islam im katholischen Religionsunterricht – geht das?

Auf dem Pult befinden sich ein muslimischer Gebetsteppich, eine Ausgabe des Korans und eine Gebetskette: Was hier gerade stattfindet? Katholischer Religionsunterricht. Lehrer Maximilian Golumbeck berichtet von seiner „Islam-Reihe“ – und deren Erfolgen.

Es ist Montagmorgen in der Berufsfachschule. Auf dem Pult befinden sich ein muslimischer Gebetsteppich, eine Ausgabe des Korans und eine Gebetskette. Ein Schüler schaut mich mit großen Augen an und fragt noch vor dem Begrüßungsritual mit hektischer Stimme: „Was machen wir heute genau?“ Der Schüler war neugierig und aufmerksam und hat sich womöglich auch auf den Unterricht gefreut.

Es ist schön zu sehen, wenn manche Themen des Religionsunterrichts diese Art von Neugier erzeugen und die Spannung im Klassenraum regelrecht spürbar wird. Aber kann dies immer funktionieren? Wie werden Schülerinnen und Schüler neugierig und aufmerksam für das, was im Religionsunterricht passiert?

Ich möchte einen kleinen Einblick geben: Im Rahmen der Themenreihe zu den Weltreligionen äußerten die Schülerinnen und Schüler den Wunsch, sich intensiver mit dem Islam zu beschäftigen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt: Okay, das wird nicht einfach! Zum einen wird das Thema Islam in den Medien sehr kontrovers behandelt, und zum anderen befinden sich in der Klasse selbst vier gläubige Muslime, was einen sehr sensiblen Umgang mit der Religion voraussetzt.

Das Thema lässt die Klasse jedoch nicht los: „Darüber wollte ich schon immer mal mehr wissen!“ Zudem kommen den Schülern Schlagwörter wie Islamismus und Terror über die Lippen und sie versuchen diese einzuordnen. Alles schon mal gehört! Aber was ist der Islam eigentlich?

In der folgenden Woche macht sich die Klasse eifrig ans Werk und bearbeitet das durchaus anspruchsvolle Infomaterial zur Glaubensvorstellung des Islams: die fünf Säulen des Islams, der Prophet Mohammed, der Koran,… Mehrere Teams übernehmen verschiedene Themenschwerpunkte und berichten sich gegenseitig über das, was sie entdeckt haben. Als Highlight der Unterrichtsreihe halten die vier muslimischen Schülerinnen und Schüler gemeinsam einen Vortrag darüber, wie sie ihre Religion im Alltag erleben.

Unaufgefordert bringen sie einen Gebetsteppich, einen Koran sowie eine Gebetskette mit und stellen der Klasse anschaulich dar, was dies für sie bedeutet. Die Klasse staunt nicht schlecht darüber, wie selbstverständlich die zum Teil streng religiös geprägten Klassenkameraden von ihrer Religion erzählen und überfällt die Gruppe gleich mit mehreren, sehr persönlichen Rückfragen:

„Wie geht es euch im Fastenmonat Ramadan? Könnt ihr wirklich den ganzen Tag auf Essen und Trinken verzichten?“ „Dürft ihr eigentlich eure Partner selbst aussuchen?“ „Glaubt ihr so richtig an Gott – mit Beten und so?“

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Über Wagih Felbermayer

Chefredakteur der Presseagentur Euro Arab Press Fotoreporter Webdesigner

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