Steht Saudi-Arabien vor einer Zerreißprobe?

salman5Offenbar vollzieht sich in Saudi-Arabien derzeit der von vielen Experten erwartete Transformationsprozess. Er begann damit, dass der amtierende König Salman ibn Abd al-Aziz Al Saud, der nach dem Tode seines älteren Bruders Abdullah ibn Abd al-Aziz Al Saud den Thron bestieg, einige sehr ungewöhnliche Vereinbarungen mit der herrschenden Elite traf.

Er ernannte seinen Neffen und bisherigen Innenminister Muhammed ibn Naif (ibn Abdul-Aziz Al Saud) aus Abdullahs Clan im April 2015 zum Kronprinzen, während sein eigener Sohn Mohammed ibn Salman Al Saud vom Sudairi-Clan zum stellvertretenden Kronprinzen, Zweiten stellvertretenden Premierminister und Verteidigungsminister aufrückte.

Bereits damals zeichnete sich ab, dass der König nach kurzer Zeit versuchen würde, alle Macht auf seinen eigenen Sohn zu übertragen und Muhammed ibn Naif zu übergehen, während er selbst aufgrund seiner Alzheimer-Erkrankung zu einer Art »Königsvater« würde, der keine reale Macht mehr besäße, aber dennoch als Berater an wichtigen Entscheidungen beteiligt wäre.

Die Feststellung erübrigt sich eigentlich, dass es sich dabei um eine direkte Verletzung der traditionellen Thronfolgeregelung handelt, bei der der Thron vom Bruder an einen Bruder weitergegeben wurde, wie es in Saudi-Arabien bisher immer der Fall war.

Jetzt soll dieses Verfahren durch eine Nachfolge vom Vater auf den Sohn ersetzt werden. Um eine solche Thronfolge durchsetzen zu können, wäre praktisch ein Coup d’État oder die Zustimmung des Kronrats notwendig, der nach verschiedenen Quellen aus sieben bis elf Mitgliedern der Al-Saud-Dynastie besteht.
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Über Wagih Felbermayer

Chefredakteur der Presseagentur Euro Arab Press Fotoreporter Webdesigner

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