Der Teufel in Stein und Dachgestühl

Der Teufel hatte beim Bau vieler Kirchen und Kathedralen seine Finger im Spiel – zumindest, wenn man den Sagen glaubt, die sich um die Gotteshäuser ranken. Katholisch.de hat einige zusammengestellt.

Ein Riss in einer Marmorsäule im Chorraum des Essener Doms soll der Legende nach von einem Pakt mit dem Teufel zeugen. Um 1.000 nach Christus besuchte demnach die damalige Äbtissin des Stiftes Essen, Mathilde, Rom. Dort entdeckte sie eine Marmorsäule, die ihr so gefiel, dass sie sie in ihre Stiftskirche stellen wollte.

Dazu musste der schwere Stein jedoch über die Alpen bis nach Essen transportiert werden. Dafür bot sich ihr ein Mann an, der im Gegenzug ihre Seele verlangte. Mathilde erkannte, dass es der Teufel war und willigte dennoch ein – unter der Bedingung, dass er die Säule vor dem Angelus-Läuten des Dreikönigstags in Essen abliefern müsse.

Der Teufel schaffte seine Fracht tatsächlich am frühen Dreikönigstag vor die Tore des Stiftes, doch noch bevor ihm jemand öffnen konnte, läutete ein Engel verfrüht. Wutentbrannt schleuderte der Teufel die Säule auf den Boden, sodass sie einen Riss bekam, und verschwand. Äbtissin Mathilde jedoch konnte ihre Seele behalten und die Säule im Dom aufstellen.

Der Trierer Dom

Diese Legende wird in verschiedenen Variationen über gleich mehrere Kirchen erzählt, so etwa über den Trierer Dom: Als das Gotteshaus im Auftrag von Konstantin dem Großen und seiner Mutter Helena erbaut wurde, sollten vier schwere Granitsäulen aufgestellt werden. Um den Transport zu ermöglichen, überlistete der Baumeister den Teufel: Er sagte ihm, er wolle das größte Brauhaus der Welt bauen und bat, ihm zu helfen.

Der Teufel machte sich daran, die Säulen nach Trier zu tragen, jede Woche eine. Als er die letzte herbeibrachte, sah er, wie der Bischof das Gebäude als Kirche einweihte. Er wurde wütend und zielte mit der Säule auf den Dom. Doch er verfehlte das Gotteshaus knapp. Bis heute liegen die Bruchstücke vor dem Eingang und sind als „Domstein“ bekannt. Tatsächlich aber wurden sie 1614 bei Bauarbeiten unter dem Domfußboden entdeckt und vor das Portal gelegt.

Ähnlich geht die Sage bei der Kirche St. Clemens in Mayen, bei deren Bau der Teufel mithalf, im Glauben, es entstehe ein Gasthaus mit Tanzsaal. Als er die Täuschung bemerkte, zerrte er am Dach des Kirchturms, um den Turm zu zerbrechen. Doch das verhinderte der heilige Clemens. Dem Teufel gelang es nur, das Dach zu verdrehen und zu verbiegen, was man bis heute sehen kann. Die besondere Form des Turms führen Fachleute heute laut der Pfarreiengemeinschaft Mayen auf Baufehler zurück. Bei der Kirche St. Marien in Lübeck wurde der Teufel ebenso überlistet und half.

Doch als das Gotteshaus fertig war und er seinen Irrtum erkannte, drohte er, mit einem riesigen Stein den Bau wieder zu zerstören. Die Baugesellen versprachen ihm jedoch, gleich nebenan tatsächlich ein Gasthaus zu bauen. Der Teufel lies den Stein fallen und die Kirche konnte vollendet werden. Auf den Stein, mit dem der Teufel gedroht haben soll, setzte Bildhauer Rolf Goerler 1999 eine Teufelsfigur aus Bronze.

Der Hildesheimer Dom

Gleich zwei Teufelssagen ranken sich um eine Stelle im Stein am Hildesheimer Dom, an der man eine Art Hornabdruck sehen kann. Die eine erzählt von einem frommen Wandermönch, der am Dom über den Teufel predigte. Er warnte die Menschen davor, dass er hinterhältig und böse sei. Doch der Teufel selbst stand unter seinen Zuhörern und wurde wütend über das, was er da hörte. Sein Zorn wurde so groß, dass seine Hörner zu glühen begannen.

Dort, wo er stand, brannte sich der Abdruck eines Horns in den Stein. Die zweite Sage ist wieder die des Teufels als betrogenen Bauhelfer, der im 11. Jahrhundert für einen zügigen Wiederaufbau des abgebrannten Gotteshauses sorgte. Als ihm die Täuschung auffiel, versuchte er vergeblich, das Gebäude umzurennen. Nur ein Abdruck seines Horns zeugt noch davon. Die bogenförmige Vertiefung auf dem Stein ist wohl in Wirklichkeit nur eine Laune der Natur.

Der Regensburger Dom

Beim Bau des Regensburger Doms hatte der Teufel nur indirekt die Finger im Spiel: Der Baumeister des Doms und der der Steinernen Brücke hatten gewettet, wer wohl sein Projekt als erstes abschließen kann. Als der Brückenbaumeister sah, dass der Dom viel schneller wuchs als seine Brücke, ging er einen Pakt mit dem Teufel ein: Wenn der ihm bei der Fertigstellung helfen würde, bekäme er die ersten drei Seelen, die über die Brücke liefen. So kam es, dass die Brücke doch eher als der Dom vollendet wurde und der Brückenbaumeister die Wette gewann. Als das Bauwerk eingeweiht werden sollte, scheuchte der gerissene Brückenbaumeister zwei Hähne und einen Hund darüber, sodass kein Mensch seine Seele an den Teufel verlor. Der wurde darüber zornig und versuchte, die Brücke zu zerstören – aber sie war so stabil gebaut, dass sie nur leicht gekrümmt wurde, wie man noch heute sehen kann.

Problematisch an der Geschichte: Mit dem Dombau wurde erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts begonnen, während die Steinerne Brücke bereits in den Jahren 1135 bis 1146 entstanden ist.

Der Münchner Dom

Der „Teufelstritt“, ein Fußabdruck im Boden des Münchner Doms, ist eine bekannte Sehenswürdigkeit. Über die Herkunft gibt es verschiedene Erzählungen. Eine besagt, dass der Dombaumeister einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sein soll: Im Gegenzug für seine Hilfe beim Bau sollte das Gotteshaus keine Fenster bekommen.

Als die Frauenkirche fertiggestellt worden war, führte der Baumeister den Teufel an eine Stelle im Eingangsbereich, von der aus die Fenster nicht sichtbar sind – das Mittelfenster war etwa zwischen 1622 und 1860 durch den gewaltigen Renaissance-Hochaltar ebenfalls verdeckt. Doch der Teufel ging umher und bemerkte, dass er in die Irre geführt worden war. Er stampfte vor Zorn auf – so entstand der Fußabdruck.

Eine andere Version erzählt, dass der Teufel mit dem Baumeister um seine Seele gewettet hatte, dass man in dem Gotteshaus keine Fenster sehen könne. Der Teufel war neugierig, schlich sich in den noch nicht fertigen Bau und konnte tatsächlich keine Fenster erblicken.

Er freute sich diebisch, denn er fand, dass ein solches Gebäude nutzlos sei, und stampfte triumphierend auf. Doch bald darauf stellte er fest, dass er falsch lag. Er wurde rasend und wollte mit einem heftigen Windstoß die Frauenkirche zum Einsturz bringen. Das gelang ihm zwar nicht, aber auch heute noch kann man, so sagen die Münchener, häufig heftige Windböen rund um die Kirche herum spüren.

 

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Über uns Wagih Felbermayer

Chefredakteur der Presseagentur Euro Arab Press Fotoreporter Webdesigner

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